Voll auf Klapprad – ein Pendlerleben

Pendler können richtige Trendsetter sein! Egal ob eine Anzugshose mit bunten Socken überrascht oder das neueste Gadget piepst– aktuelle Mode und trendige Auswüchse pendeln mit.

Aktuell gibt es ein besonders pfiffiges Accessoire zu beobachten – das Klapprad.
Diese städtische Variante des Drahtesels gibt es von verschiedenen Firmen in unterschiedlichen Farben, Ausführungen und Preisklassen: Von sehr edel bis sportlich ist alles dabei – passend zum jeweiligen Fahrer.
Waren es zu Anfang meiner Pendlerzeit nur vereinzelte Menschen, die mit ihrem auf Koffergröße getrimmten Fahrrad auf den Zug warten, so sind sie plötzlich überall. Es gibt sogar E-Klappräder! Eine realgewordene Manie, die nicht zuletzt auch durch preisgünstige Angebote möglich gemacht wurde.

So weit so gut – Klappräder sind eine richtig tolle Erfindung! Sie bringen Schwung in einen Alltag, der ansonsten sehr bewegungsarm ist. Die Symbiose aus Beruf, nachhaltigem Lebensstil, Fitness und Unkompliziertheit war noch nie so eng. Eine besonders ambivalente Situation ist mir aber diesbezüglich besonders stark im Gedächtnis geblieben: Warum nimmt man sein Klappfahrrad mit und steigt dann mit dem Klapprad unter dem Arm in die Straßenbahn, anstatt auf der Straße mit dem kleinen Drahtesel zu fahren?

Täglich auf’s neue amüsierend ist übrigens das Aufbau-Ballett, wenn ein größerer Bahnhof angesagt wird. Mehrere Menschen laufen zackig zu ihrem Rad nach Wahl und versuchen es im meistens sehr vollen Zug aufzubauen. Eigentlich eine sehr rücksichtslose Idee, den Mitmenschen das kleine Vorderrad ins hintere Bein zu stupsen und umständlich vor der Nase herumzufuchteln. Auf Bahnhöfen ist es doch sowieso verboten, sofort mit dem Fahrrad auf dem Bahnsteig oder Bahngebäude loszudüsen. Warum also dieser künstliche Stress?

Mir wäre es schon viel zu kompliziert für mich UND mein Fahrrad einen Platz in einem oftmals zu überfüllten Zug zu finden. Zudem gibts es genug anstrengende Situationen in Pendlerzügen – auch ohne akrobatische Einlagen von Klappradzusammenbauern. Gegenseitige Rücksichtnahme fände ich daher wunderbar – auf ein gutes Miteinander!

 

P.S.: Wir alle spielen ja in ausgewählten Situationen bestimmte Rollen – manche sogar ein Leben lang. Wer mit dem Klapprad seinen konsumhedonistischen Lebenstil aufpolieren möchte kann dies gerne tun, sollte sich dann über schmunzelnde Gesichter eines Gegenübers nicht wundern, wenn man sich besser bekannt ist.
Ansonsten immer gerne daran denken: Kein Mensch fühlt sich in Vorurteilsschubladen wohl. ❤